
Berlin – In Tunesien ist Amine Chermiti bereits ein Star. Der junge Stürmer kam vor der Saison von Etoile du Sahel nach Berlin und zeigte schnell, welches Potenzial in ihm steckt. Doch bei seinem ersten Einsatz von Beginn an riss sich Chermiti das Innenband im Knie und fiel somit fast die komplette Vorrunde aus. In der Reha ackerte der 21-Jährige monatelang für sein Comeback. Bereits am Ende der Hinrunde kam Chermiti zu einigen Kurzeinsätzen. Jetzt ist er wieder voll da. In der Vorbereitung erzielte der Wirbelwind zwei Tore und beeindruckte auch Trainer Lucien Favre: “Er ist körperlich fit, spielt sehr schnell und aggressiv. Das tut unserem Spiel gut”, so der Coach.
Chermiti selber blühte im Trainingslager in Marbella richtig auf. Die Temperaturen an der Costa del Sol waren für den Nordafrikaner natürlich wie Balsam. “Ja, in Deutschland ist es sehr kalt. Daran musste ich mich erst gewöhnen”, so Chermiti im Interview mit herthabsc.de. Darüber hinaus verrät er, wo er in Berlin gerne unterwegs ist, welche Ziele er für die Rückrunde hat und warum die Fans nun den “wahren Chermiti” kennenlernen werden.
herthabsc.de: Amine, du warst lange verletzt. Wie geht es dir jetzt, bist du bei 100 Prozent?
Amine Chermiti: Ich habe lange an meinem Comeback gearbeitet und jetzt bin ich endlich wieder da! Ich bin jetzt zu 100 Prozent fit und möchte so viel Zeit wie möglich auf dem Platz und mit dem Team verbringen, Ich hoffe, dass ich mich nie wieder so schwer verletze! Wir stehen momentan in der Bundesliga sehr gut da und arbeiten hart daran, weiter so erfolgreich zu spielen. Wir wollen an die Leistung aus der Hinrunde anknüpfen und unsere Ziele in der Bundesliga erreichen.
herthabsc.de: Es muss ziemlich schwer gewesen sein, sich jeden Tag erneut für die Reha zu motivieren?
Chermiti: Ja das stimmt. Man musst sehr stark sein, um die Zeit zu überstehen. Man muss versuchen, nicht daran zu denken, dass man jeden Tag ohne die Mannschaft für das Comeback schuften muss. Jetzt trainiere ich zum Glück wieder mit dem Team zusammen, meine Leidenszeit ist vorbei. Jetzt will ich dem Team helfen. Die Mannschaft ist jung und spielt sehr guten Fußball. Wir haben im Moment eine gute Ausgangslage in der Bundesliga und die gilt es zu verteidigen.
herthabsc.de: Du hast oft gesagt, den “wahren Amine Chermiti” werden wir erst im neuen Jahr sehen.
Chermiti: Ja auf jeden Fall. Ich werde jetzt auf dem Platz zeigen, wer der wahre Amine Chermiti ist. Schon in der Vorbereitung habe ich zwei von vier Testspielen bestritten und jeweils einmal getroffen. Ich fühle mich richtig gut, deshalb sage ich jedem, dass ich jetzt zurück bin.
herthabsc.de: Herha BSC hat jetzt die erfolgreichste Hinrunde der Vereinsgeschichte gespielt. Wie schwer war es für dich, nur zuschauen zu können?
Chermiti: Das war total hart für mich. Jetzt muss ich die Rückrunde nutzen und möchte helfen, dass diese ähnlich erfolgreich wird. Wenn ich am Ball bin, ist das immer ein super Gefühl. Ich hoffe, dass ich verletzungsfrei bleibe und nicht so schnell wieder zum Zuschauen verdammt bin. Jetzt werden alle den wahren Amine kennenlernen.
herthabsc.de: Glaubst du, HERTHA BSC wird an die Leistung aus der Hinrunde anknüpfen können?
Chermiti: Unsere Situation ist sehr gut. Wir stehen zurzeit auf Platz drei und haben viele Partien gewonnen. Die Mannschaft weiß, wie man Spiele gewinnt, das hat sie in der Hinserie oft genug bewiesen. Wir werden in der Rückrunde auf jeden Fall so weiter machen und wer weiß, vielleicht können wir uns sogar noch verbessern.
herthabsc.de: Wie verstehst du dich mit deinen Sturmkollegen?
Chermiti: Wir sind alle Freunde. Ich bin jung und respektiere alle. Nicht nur Voronin und Pantelic, sondern auch Friedrich und Simunic geben mir alle Tipps und Ratschläge, wie ich mich verbessern kann. Ihre Erfahrung und ihre Professionalität helfen mir für meine eigene Entwicklung sehr.
herthabsc.de: Du lebst jetzt seit einem halben Jahr in Berlin. Hast du dich mittlerweile eingelebt?
Chermiti: Ja ich kenne mich mittleweile schon sehr gut aus, kenne die meisten Plätze in der Stadt. Ich habe auch einige Freunde hier, die mir bei der Eingewöhnung geholfen haben. Am liebsten gehe ich mit ihnen zum Kudamm oder zum Potsdamer Platz. Ich gehe auch sehr gerne ins Kino – das ist ne gute Abwechslung bei dem kalten Wetter hier in Deutschland.
herthabsc.de: Die Temperaturen sind ja auch um einiges kälter als in Tunesien. Hast du dich schon daran gwöhnt?
Chermiti: Es ist wirklich schrecklich kalt hier. In Tunesien sind momentan angenehme 15 Grad. Aber Tag für Tag gewöhne ich mich mehr an die Temperaturen in Deutschland. Um gut zu spielen, ist es wichtig, sich zu aklimatisieren.
herthabsc.de: Du spricht Französisch und Englisch. Kannst du mittlerweile auch schon ein wenig Deutsch?
Chermiti (auf Deutsch): Ja ich spreche ein bisschen Deutsch – ich bin glücklich in Berlin – Chermiti ist wieder da – ich spreche ein wenig. Verstehen tue ich aber schon fast alles.
herthabsc.de: Wie fühlst du dich, wieder zurück im Training mit der Mannschaft?
Chermiti: Das ist ein super Gefühl. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was das für ein schönes Gefühl ist, nach so langer Zeit wieder den Ball zu berühren. Nach drei Monaten Verletzungspause ist es für jeden Spieler erst einmal wieder schwierig. Das war eine wirklich schlimme Zeit, zum Glück ist das vorbei. Jetzt fühle ich mich jetzt wie ein Vogel, als könnte ich fliegen. Ich kann wieder spielen, kann wieder rennen, das ist ein super Gefühl für einen Fußballspieler.
herthabsc.de: Am Samstag geht es gegen Eintracht Frankfurt. Im Hinspiel hast du nicht gespielt, glaubst du, dass du dieses Mal dabei bist?
Chermiti: Ich werde wohl noch keine 90 Minuten durchspielen können, aber ich hoffe auf 20 oder 30 Minuten. Ich bin bereit und will der Mannschaft unbedingt helfen.
herthabsc.de: Wie stark schätzt du Frankfurt ein?
Chermiti: Jede Mannschaft in der Bundesliga ist stark. Man muss Respekt vor jedem Gegener haben und jedes Spiel hundertprozentig konzentriert sein. Ob gegen Bayern München oder gegen vermeintlich kleine Gegner. Denn gegen die ist es oft am Schwersten. Jede Kleinigkeit kann da entscheidend sein. Wir müssen alles geben, um gegen die Eintracht drei Punkte zu holen.
herthabsc.de: Du hast bisher zwei Bundesligaspiele bestritten. Wie gefällt dir das Stadion?
Chermiti: Das Stadion und die Atmosphäre sind wirklich super. Warum sollten wir nicht jedes Spiel hier in Berlin in diesem tollen Stadion gewinnen?! Wir wollen hier keine Punkte mehr abgeben, denn die sind am Ende entscheidend.
herthabsc.de: Was sind deine Ziele mit Hertha und mit der Nationalmannschaft?
Chermiti: Mit HERTHA möchte ich an die Hinrunde anknüpfen und selber meinen Teil zum Erfolg beitragen. Ich möchte so viel wie möglich spielen und natürlich auch Tore schießen. Mit der Nationalelf haben wir als nächstes ein Testspiel gegen Holland. Außerdem spielen wir um die WM-Qualifikation. Wir haben eine sehr starke Gruppe erwischt, das wird sehr schwer für uns werden. Wir müssen alles geben, um weiterzukommen.
herthabsc.de: In deiner Heimat Tunesien bist du schon ein Star. Glaubst du, das kannst du auch in Deutschalnd schaffen?
Chermiti: Warum nicht? Ich bin jung – alles ist möglich!
Quelle: Hertha BSC