Das weisse Wunder
So rauscht Hertha zum Titel
Berlin, Samstagabend, fünf Stunden nach Herthas 3:2 in Bochum. Trainer Lucien Favre (50) entspannt gerade auf dem Sofa, als überraschend sein Handy bimmelt. Am Hörer: Arne Friedrich (29) mit einer seltenen Bitte…
Der Kapitän: „Können Sie das Auslaufen Sonntagfrüh streichen und dafür am freien Montag trainieren lassen?“
Favre: „Warum?“
Friedrich: „Wir hocken alle beim Teamabend beim Italiener Ovest und wollen es etwas krachen lassen.“
Favre grübelt kurz, sagt dann: „Viel Spaß, Jungs!“
Das vorgezogene Weihnachtsgeschenk war Favres Dank für den dritten Sieg in Serie. In weißen Trikots wedelte „Hertha BS-Schnee“ Bochum bei Null Grad und dicken Schneeflocken auseinander. Weiter Platz 4, nur vier Pünktchen hinter Tabellenführer Hoffenheim. Und die haben ein hartes Restprogramm mit Bielefeld, Bayern und Schalke…
DAS WEISSE WUNDER!
So rauscht Hertha zum Titel!
Friedrich: „Wir sind wirklich in einem Rausch. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass er so lange wie möglich anhält.”
Dann ist sogar die Herbstmeisterschaft drin und später der Titel. Überflieger Cicero (24) rechnet vor: „Wir spielen noch gegen Köln, Schalke und Karlsruhe. Mein Ziel sind ganz klar drei Siege. Wenn sich jeder hohe Ziele setzt, werden wir sie auch erreichen.” Drei Siege – dann würde Hertha wohl ganz oben stehen… Es wäre ein Wunder. Welcher Experte hat vor der Saison mit dieser starken Hertha gerechnet?
Hertha rauscht durch die Liga. Und die Experten schütteln nach dem Schlitterstart in die Saison (u.a. 1:1 Bielefeld, 0:1 Cottbus) verblüfft die Köpfe über das weiße Wunder…
Ex-Regisseur Dariusz Wosz (39) : „Ich hätte gewettet, dass Hertha in Bochum verliert. Aber sie spielen auf höchstem Niveau. Da ist alles möglich, für die ersten drei Plätze wird‘s aber schwer.” Abwarten!
Ex-Trainer Peter Neururer (53), der neben Wosz im Ruhrstadion saß: „Hertha steht zu Recht da oben. Die Qualität großer Mannschaften ist es, schlechte Spiele zu gewinnen. Das machen sie derzeit.”
Trotz großer Verletzungssorgen und 24 Pflichtspielen setzt sich Hertha an der Spitze fest. Ein Grund ist die bärenstarke Abwehr (nur 18 Gegentore, drittbeste der Liga:). Wie heißt eine alte Fußballer-Weisheit? Sturm gewinnt Spiele, Abwehr gewinnt Meisterschaften.
DAS WEISSE WUNDER!
Dieter Hoeneß (55) blockt beim Gedanken an den Titel. Der Manager: „Unser Ziel bleibt der Uefa Cup. Wenn wir das erreichen, sind wir hochzufrieden. Wir haben eine gute Entwicklung, sehen es aber realistisch. Wir wollen mittelfristig wieder in die Nähe der Champions League und es deutet einiges darauf hin, dass wir es schaffen können.“
Vielleicht schneller, als alle denken. Weisse Wunder gibt‘s schließlich immer wieder. Das nächste vielleicht schon Freitag. Mit einem Sieg gegen Köln würde Hertha auf Platz 2 klettern. Die Berliner kommen der Spitze immer näher.
Quelle : Bild.de

